Für Microsoft-Anleger ist das schnell wachsende Cloud-Geschäft rund um den Infrastruktur-Dienst Azure ein wichtiges Argument für die Aktie. Glaubt man jedoch einer neuen Analyse vom Cloud-Konkurrenten Google, haben sich die Analysten beim aufstrebenden Geschäftsfeld ordentlich verkalkuliert.
Denn laut einer internen Google-Studie, die CNBC vorliegt, soll Microsoft Azure im abgelaufenen Geschäftsjahr (bis Ende Juni 2021) nur einen Umsatz von 29 Milliarden Dollar erzielt haben. Analysten hatten in ihren Schätzungen Erlöse in einer Spanne von 32,3 Milliarden Dollar (UBS) bis hin zu 37,5 Milliarden Dollar (BofA) veranschlagt. Microsoft selbst weist die Azure-Umsätze nicht detailliert aus, sondern veranschlagt im Segment „Intelligent Cloud“ auch andere Aktivitäten wie Server-Produkte oder GitHub.
Für Verwunderung sorgte auch, dass Azure laut Google im vergangenen Geschäftsjahr einen operativen Verlust von drei Milliarden Dollar gemacht haben soll – insbesondere aufgrund hoher Vertriebs- und Marketingkosten, die bei knapp zehn Milliarden Dollar liegen sollen. Es wurden dabei hochprofitable SaaS-Geschäfte wie der Geschäftsanalyse-Dienst Power BI, die teils mit Bruttomargen jenseits von 80 Prozent glänzen, herausgerechnet.
Der Cowen-Analyst, Derrick Wood, sagte gegenüber CNBC: „So groß kann der Verlust unmöglich sein.“ Seinen Untersuchungen zufolge weist Azure eine operative Marge von über 30 Prozent auf, deutlich höher als die von Google geschätzte Marge von -10 Prozent.“ Auch zu den Aussagen von Microsoft-CEO Satya Nadella will die Google-Schätzung nicht richtig passen. Nadella sagte 2019, dass die Buchung höherwertiger Dienste in der Cloud langfristig zu guten Margen führen kann.
Nur Amazon weist detailliert Umsätze und operative Gewinne von AWS aus – bei Azure und der Google Cloud Platform können Analysten nur schätzen. Die deutliche Diskrepanz, die diese Schätzungen nach sich ziehen können, zeigt nun das interne Google-Dokument. Microsoft-Anleger sollten sich vom Wettbewerber aber vorerst nicht aufschrecken lassen. Für Klarheit rund um das Azure-Geschäft kann nur Microsoft sorgen – und die Google-Analyse zeigt, dass man im Anlegerinteresse über eine detailliertere Offenlegung auch nachdenken sollte.