DAX und Co: Trotz EZB-Zinserhöhung – die Bullen schlagen zurück

DAX und Co: Trotz EZB-Zinserhöhung – die Bullen schlagen zurück
Foto: Arne Dedert/picture alliance/dpa
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Timo Nützel 11.06.2026, 18:05 Timo Nützel

Der deutsche Leitindex atmet auf und beendet am Donnerstag seine jüngste Verlustserie. Trotz neuer Drohungen aus den USA im Iran-Konflikt blieben die Anleger gelassen. Vielmehr sorgte starker Rückenwind von den US-Märkten für die nötige Zuversicht auf dem Parkett. Selbst die Zinsentscheidung der EZB bremste die Gegenbewegung nicht aus.

Positive Impulse kamen aus den USA, wo weitere Drohungen von US-Präsident Donald Trump gegen den Iran die Anleger nicht mehr beeindruckt hatten. Vielmehr sorgten dort deutliche Kursgewinne bei Aktien aus der Halbleiterbranche für gute Laune. Der deutsche Leitindex schloss 0,06 Prozent im Plus bei 24.209,71 Punkten. Der MDAX mit den mittelgroßen Werten gewann 0,52 Prozent auf 31.456,13 Zähler.

Dabei schaukelt sich der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran trotz offiziell geltender Waffenruhe weiter hoch. Trump hatte schwere Angriffe auf den Iran für die Nacht angekündigt. Die USA würden das Land "sehr hart" treffen, schrieb der Republikaner auf der Plattform Truth Social.

Die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte nur wenig Einfluss auf die Kurse. Mit der ersten Erhöhung seit fast drei Jahren stemmt sich die EZB gegen den Inflationsschub infolge des Iran-Kriegs. Die Euro-Währungshüter hoben den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023. Höhere Zinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und so die Inflation dämpfen kann.

"Da die Inflation im Euroraum über drei Prozent liegt und es wenig Hoffnung auf Entspannung im Iran-Konflikt gibt, ist eine Zinserhöhung jetzt der richtige Schritt", sagte Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. Die EZB folge damit dem, was die Märkte schon eingepreist hätten.

Oracle zieht SAP nach unten

Unter den Einzelwerten standen hierzulande die Aktien von SAP nach Quartalszahlen des US-Konkurrenten Oracle im Fokus. Mit einem Kursabschlag von 6,6 Prozent waren SAP mit Abstand schwächster DAX-Wert.

Der US-Software- und Datencenter-Konzern Oracle hatte zwar im vierten Geschäftsquartal den Umsatz mit Cloud-Infrastruktur - das sind vor allem KI-Rechenzentren - um 93 Prozent gesteigert. Experten bemängelten aber hohe Kosten für Rechenzentren und entsprechend starke Geldabflüsse. Bedeutend für Firmensoftware-Anbieter wie SAP sei, dass sich das Erlöswachstum der Amerikaner im Cloud-Softwarebereich verlangsamt habe, sagte ein Händler.

Hugo Boss mit Übernahmeofferte

Der Aktienkurs des Modehändlers Hugo Boss zog an der MDAX-Spitze um gut neun Prozent auf 39,76 Euro an und lag damit über der Offerte des Großaktionärs Frasers Group. Frasers bietet im Rahmen eines Übernahmeangebots 38 Euro je Boss-Aktie. Zuletzt kamen die Briten auf einen direkten Anteil von gut 26 Prozent. Analysten bezeichneten das Gebot in ersten Reaktionen als nicht besonders attraktiv.

Kursziel rauf bei Porsche

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hatte die Aktien der Porsche AG zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 39 auf 59 Euro erhöht. Struktureller Gegenwind für den Sportwagenbauer bleibe zwar die Realität, sei aber in den massiv gesunkenen Erwartungen inzwischen angekommen, schrieb Analyst Christian Frenes. Bis 2030 rechnet er mit einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnanstieg von 30 Prozent. Die Aktien der Porsche AG stiegen um 1,6 Prozent auf 48,51 Euro.

DAX (WKN: 846900)

Hinweis auf Interessenkonflikte 

Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Porsche AG.

Enthält Material von dpa-AFX

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