Top-Ökonom: So kann die Krise ein gutes Ende nehmen

Top-Ökonom: So kann die Krise ein gutes Ende nehmen
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Andreas Deutsch 03.04.2020, 08:46 Andreas Deutsch

Die große Mehrheit der Menschen in Europa und den USA hält laut einer YouGov-Umfrage die staatlichen Eingriffe im Kampf gegen das Coronavirus für richtig. Doch der Shut-down bedeutet große Risiken für die Wirtschaft. Im Interview mit dem AKTIONÄR sagt Professor Peter Bofinger, was nun getan werden muss.

Der Shut-down lähmt Deutschland bis mindestens kurz nach Ostern. Was dann passiert, ist noch völlig unklar. „Wir können noch nicht sagen, ob es gelingt, aber wir kämpfen dafür“, so Kanzleramtsminister Helge Braun zum Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Entscheidend sei, so Braun weiter, wie sehr das Infektionsgeschehen verlangsamt werden könne und ob es gelinge, zusätzliche Kapazitäten im Gesundheitswesen zu schaffen. „Das Land ist wie ein Tanker, der ganz, ganz langsam wendet. Deswegen müssen wir noch eine Weile abwarten."

Top-Ökonom Peter Bofinger warnt im Interview mit dem AKTIONÄR davor, den Shut-down zu lange durchzuführen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute das mitmachen werden. Das sehe ich jetzt mal von der soziologischen Warte aus. Spätestens wenn der Sommer da ist, wollen die Leute raus. Andernfalls würde die Stimmung kippen. Der soziale Druck wird also noch sehr viel stärker sein als der ökonomische.“

Sollte der Shut-down drei Monate dauern, könnte der Staat laut Bofinger den wirtschaftlichen Schaden abfangen. „Bei drei Monaten Shutdown sprechen wir von einem Ausfall von 440 Milliarden Euro, also rund 145 Milliarden pro Monat. Wenn nun der deutsche Staat die volle Summe durch direkte Transfers ausgleichen würde und diese über Kredite finanziert, würde das Verhältnis der deutschen Staatsverschuldung zur Wirtschaftsleistung von derzeit knapp 60 auf rund 72 Prozent steigen.“

Wenn gleichzeitig das Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2020 um fünf Prozent sänke, ergäbe sich eine Schuldenquote von rund 75 Prozent. „Das ist immer noch weniger als der Schuldenstand direkt nach der Finanzkrise. Damit wären die Einnahmeausfälle der deutschen Wirtschaft weitgehend kompensiert.“

Bofinger weiter: „Es kommt jetzt ganz entscheidend auf die Politik an. Die Bundesregierung wie die Landesregierungen müssen durch das Bereitstellen massiver Liquiditätshilfen und direkter Transfers dafür sorgen, dass der Patient in dieser schwierigen Situation keine anhaltenden Schäden erleidet. Die Schritte, die unternommen wurden, sind sinnvoll und machen Hoffnung, dass die Krise ein gutes Ende nehmen wird.“

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