Heißer Freitag: DAX im Grexit-Fieber

Heißer Freitag: DAX im Grexit-Fieber
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Michael Schröder 12.06.2015, 08:57 ‧ Michael Schröder

Der Schuldenstreit mit Athen bleibt im Fokus der Börsianer. Der DAX dürfte nach dem späten Rücksetzer vom Vortag etwas ruhiger in den Handel starten. Doch vor dem Wochenende könnte die Achterbahnfahrt im Tagesverlauf noch mal an Dynamik gewinnen.

Nach einem Bericht der Bild-Zeitung bereitet sich Berlin auf eine Staatspleite Athens vor. Unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute Personen berichtete die Zeitung, es gebe konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite zu tun sei. Danach sei unter anderem im Gespräch, Kapitalverkehrskontrollen in Griechenland einzuführen.

Athen laufe die Zeit davon. Bis zum 18. Juni müsse eine Lösung her, heißt es im Handelsblatt. Am Vortag hatte der Internationale Währungsfonds seinen Druck auf Griechenland verstärkt. Unmittelbar danach hatten sich am Nachmittag im deutschen Leitindex rund 100 Punkte in Sekundenschnelle in Luft aufgelöst. „Inzwischen ist es unberechenbar geworden, ob der Grexit kommt oder nicht“, sagt Dirk Gojny von der Essener National-Bank. „Die europäische Politik betont zwar weiterhin, man möchte das Land im Euroraum halten. Doch ob sich das tatsächlich verwirklichen lässt, hängt vor allem von Griechenland und der Flexibilität der dortigen Regierung ab. Schließlich haben die "Institutionen" die Bedingungen für die Fortführung der Stützung und damit der Auszahlung der verbliebenen Tranche aus dem Stützungspaket definiert“, führt der Kapitalmarktexperte aus.

Auch der Konjunkturkalender hat einiges zu bieten zum Wochenschluss: Der vorläufige Wert für den Indikator der Uni Michigan stehe am Nachmittag aus den USA im Fokus, so Gojny. Auch die US-Erzeugerpreise stünden auf der Agenda. Sie dürften keine Hinweise auf fallende Preise liefern. Die europäische Industrieproduktion sollte im April derweil kräftig zugelegt haben, meint der National-Bank-Experte.

Und was sagt die Charttechnik: Im Hoch zog der DAX gestern bis 11.452 Zählern an. Am Nachmittag legte der Leitindex dann nach fast 600 Punkten Gewinn innerhalb von drei Handelstagen eine Verschnaufpause ein. „Insgesamt konnte der DAX seine Chance nutzen, aus der „überverkauften“ Lage heraus an der unteren Begrenzung seines abwärts gerichteten Trendkanals eine Aufwärtsreaktion zu initiieren“, so die technische Analyse der DZ Bank. „Diese Gegenbewegung ist aktuell weiter intakt. Aus charttechnischer Sicht verbleibt zunächst weiterer Spielraum bis zur oberen Trendkanalbegrenzung um 11.600/11.700 Punkte.“ Ein nachhaltiger Durchbruch über das Reaktionshoch von Ende Mai um 11.920 Punkte wäre als charttechnischer Befreiungsschlag zu interpretieren.

Doch die DZ Bank warnt auch vor zuviel Euphorie: „Insbesondere unter sentiment-technischen Gesichtspunkten bleibt der Aktienmarkt noch angeschlagen. Stellt sich das Handelsgeschehen der letzten neun Wochen nicht als eine sekundärzyklische „ABC“-Korrektur durchaus, ergibt sich mit Blick auf das gegenwärtig strategisch recht optimistische Stimmungsbild der Marktteilnehmer das Risiko, dass sich im weiteren Verlauf eine deutlichere „Enttäuschungswelle“ am Markt herausbildet.

Anleger sollten vor dem Wochenende das Szenario daher eher von der Seitelinie betrachten.

(Mit Material von dpa-afx)

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