Börse in Gefahr? Experten warnen vor Zinsschock

Börse in Gefahr? Experten warnen vor Zinsschock
Foto: Poring Studio/Shutterstock
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Andreas Deutsch 11.04.2024, 11:59 ‧ Andreas Deutsch

Die Inflation in den USA ist hartnäckig. Im März stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,5 Prozent statt, wie von Volkswirten erwartet, lediglich um 3,4 Prozent. Eine zeitnahe Zinssenkung wird damit immer unwahrscheinlicher. Nun gibt es die nächste Warnung vor einer bösen Überraschung.

Larry Summers, Finanzminister unter Bill Clinton, sieht nach den heißen Inflationsdaten die „ernsthafte Gefahr, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinserhöhung sein wird“. Die Zinsen im Juni zu senken, könnte ein gefährlicher und ungeheuerlicher Fehler sein, „vergleichbar mit den Fehlern, die die Fed im Sommer 2021 beging“, so der Ökonom im Interview mit Bloomberg. Damals habe die Fed angenommen, der Inflationsdruck wäre nur vorübergehend, und die Zinsen nicht erhöht.

Vor Summers hatte bereits Jamie Dimon die Anleger gewarnt, mit sinkenden Zinsen zu rechnen. Der CEO von JPMorgan Chase hält einen anhaltenden Inflationsdruck für möglich, ausgelöst unter anderem durch Haushaltsdefizite und militärische Konflikte. „Das könnte zu US-Zinssätzen von acht Prozent oder mehr führen“, so Dimon.

DER AKTIONÄR hat bei Thomas Straubhaar nachgefragt. Der Schweizer Top-Ökonom sieht ein „neues Normal“ bei den Inflationsraten. „Das besteht darin, dass alte Gesetzmäßigkeiten ihre Gültigkeiten verlieren“, so Straubhaar. „Die Inflationsraten sind eben nicht mehr – wie in den 2010er Jahren – primär durch monetäre Ursachen geprägt. Die Leitzinsen der Notenbanken sind zwar noch ein wichtiger, aber nicht mehr allein bestimmender Faktor. Ebenso bedeutend sind reale, durch Kosten- und Lohnentwicklungen geprägte Ursachen der Inflation.“

Dazu gehören laut Straubhaar „die Kosten der Transformation fossiler in erneuerbare Energien, die Kosten eines Kriegs in Europa, die Kosten zum Schutz internationaler Handelswege vor Terror, Piraten und Raketenangriffen sowie die Kosten einer zunehmenden Komplexität und damit einhergehenden Unsicherheit künftiger Ereignisse – etwa von KI oder den Wahlen eines EU-Parlaments oder des US-Präsidenten“.

Deshalb sei die Prognose künftiger Preisentwicklungen noch schwieriger geworden als sie es immer schon war. „Die Fehlerquote dürfte größer und nicht kleiner werden.“

Straubhaar hält es für wahrscheinlich, dass die Fed die Zinsen später und schwächer senkt, was für die Börse ein Risiko bedeute.

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